Moritz Liewerscheidt

Experimenteller Film

Im toten Park

„Am Anfang stand eine handfeste Sprachkrise. Alle mündlichen oder schriftlichen Äußerungen kamen schnatternd daher wie Wettergespräche, Reklamesprüche, Comicblasen. Man konnte sie höhnisch zitieren oder wütend durcheinanderwirbeln und hatte dann fast schon Rohstoffgedichte. Ideal erschien ein Satz, an dem ein achselzuckendes »Na und?« abrutschen würde, aber den schien es nicht zu geben…”
– Dieter Liewerscheidt, Vormittags an der Macht (1982)

BRDSozialisiert in der BRD: Als Palimpseste, in denen literarische Tradition, sprachlicher Alltagsmüll und medial vermittelte Phrasen aus zweiter Hand mehrfach überschrieben sind, erweisen sich die Gedichte eines Lyrikers in der westdeutschen Provinz der 1960er bis 1980er Jahre als Metatexte zu einer ferngerückten Epoche – der alten Bundesrepublik. 

„Im toten Park“ ist als Zyklus angelegt. Der Film besteht aus mehreren Kurzfilmen, die sich um einen gemeinsamen Mittelpunkt gruppieren.

Mailied, 2:40 Min., 2018 / Im toten Park, 8 Min., 2019 / Neo-Arisch, 2 Min., 2019 / Im Walde, 2 Min., 2019

Gedichte: Dieter Liewerscheidt, XS-Verlag
Soundtrack: Julian Flemming & Ramco, Econore
Kamera, Montage, Drehbuch, Regie: Moritz Liewerscheidt
Produktion: Silberstein Produktion

Official Selection 2019 ZEBRA Poetry Film Festival

„Als Leitmotiv innerhalb der sinnbefreiten Welt kehrt das der Asche wieder. Sie taucht scheinbar ohne Kontext zum jeweiligen Gedicht auf, jedoch immer dann, wenn das lyrische Ich sich in kindlicher Manier verhält: Wenn es beim Großvater ist, regnet es Asche; an anderer Stelle wird sie in spielerischer Langeweile aufgepustet. Adornos Diktum, nach Auschwitz noch Gedichte zu verfassen, sei barbarisch, scheint unausgesprochene Voraussetzung der Lyrik des 1944 geborenen Literaturwissenschaftlers. Was noch sagen, das nicht die Überblendung des Grauens erneuerte? So schimmert der Hintergrund der Katastrophe umso dunkler durch die Texte des Nachgeborenen, wo sie ein schiefes Idyll zeichnen. Im Versuch, die Unmöglichkeit der Wortfindung in Worte zu fassen, gaukelt Liewerscheidts Lyrik dem Leser keine Illusion eines möglichen Erfolgs dieses paradoxen Unterfangens vor, sondern verweist auf ihren eigenen Widerspruch, indem sie ihn als Leerstelle fortwährend umkreist.“
– Yannick Allgeier über Dieter Liewerscheidts Gedichtband Es läuft doch alles. Gedichte 1964-2019 (XS-Verlag), in: Abwärts!, Heft 34, Oktober 2019

Da_definierst_du

Screenings

02. – 17.12.2018: Berlin, „Nachts ist’s kälter als draußen“-Tour
06.06.2019: München, Institut für Zeitgeschichte
08.06.2019: München, iRRland
06.08.2019: Chemnitz, Subbotnik
29.09.2019: Mönchengladbach, BIS
25.10.2019: Berlin, Laidak
07.12.2019: Berlin, Kino in der KulturBrauerei, ZEBRA Poetry Film Festival

26.02.2020, 19.30 Uhr: Berlin, Literaturhaus
01.05. – 10.05.2020: Mönchengladbach, EA 71

Im Walde © Moritz Liewerscheidt & Jenny Dam

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